Gender Mainstreaming
1. Juli Gender Mainstreaming:
Die Abschaffung von Geschlecht und Familie
Das Thema Mann und Frau war allgegenwärtig in diesem Jahr - ein Dauerbrenner wie die EU-Verfassung und die Finanzkrise. Das Jahr begann mit einer Kampagne gegen zwei kriminelle Schläger, die in eine Kampagne gegen Männer als solche mündete. Es ging weiter mit einer nationalen Großveranstaltung namens »Girls' Day«, mit deren Hilfe Mädchen in Männerberufe gedrückt werden sollten. Und nun, am 1. Juli 2008, wartet ein neuer Höhepunkt der offiziellen Geschlechterpolitik, nämlich die Erinnerung an das fünfzigjährige Jubiläum der »Emanzipation«.
Ich weiß nicht, ob Sie das wussten, aber am 1. Juli 2008 vor fünfzig Jahren begann »die Zivilisierung des männlichen Affen«. Damals, am 1. Juli 1958, trat das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau auf dem Gebiet des bürgerlichen Rechts in Kraft. Die Massenmedien und Frauenorganisationen feierten dieses Ereignis im Jahr 2008 gebührend. Männer bissen sich gleich reihenweise in den Hintern, nicht ohne sich dabei im oben zitierten Sinne zu äußern. »Die Frauenbewegung hat enorm zur Zivilisierung des männlichen Affen beigetragen«, sagte der Schriftsteller Peter Schneider. Der Spiegel nannte seine Titelgeschichte zum Thema »Emanzipation — was vom Mann noch übrig ist«. Das Titelbild zeigte einen nackten Mann vor einer kahlen weißen Wand, der schüchtern seine Blöße bedeckt.
Seltsam — hätte es nicht eigentlich heißen müssen: »Was von der Ungleichbehandlung noch übrig ist« oder: »Was von der Benachteiligung noch übrig ist«? Hieß es aber nicht, sondern: »Was vom Mann noch übrig ist«. Ging es etwa nie um die Beseitigung von Ungerechtigkeiten, sondern um die Beseitigung des Mannes? Könnte es sein, dass man über das Ziel hinausgeschossen ist? Tatsächlich ist inzwischen von weit mehr die Rede als von Gleichberechtigung. Ein Blick in die EU-Verfassung (»EU-Reformvertrag«) enthüllt, was aus der früheren »Gleichberechtigung« klammheimlich geworden ist. In Artikel 2 zum Beispiel ist nicht etwa von der Gleichberechtigung der Geschlechter die Rede. Auch nicht von der Gleichstellung. Sondern von der »Gleichheit« von Mann und Frau.
Nicht gleichberechtigt, sondern gleich
Hoppla! Was läuft hier eigentlich? Verstehen kann das nur, wer sich zurück zu den Wurzeln der seit 50 Jahren verstärkt laufenden »Emanzipations«-Kampagne begibt. Schon vor 50 Jahren nämlich wurde der Gedanke der Gleichberechtigung durch einen viel weiter gehenden Gedanken ersetzt, nämlich den der »Gleichheit« von Mann und Frau. Die Gleichberechtigung wurde bloß als Vehikel für diese Ideologie benutzt. Abgesehen von den biologischen Unterschieden seien die Geschlechter absolut gleich; die verschiedenen Rollen und Vorlieben seien bloß anerzogen. Daraus entwickelte sich die Vorstellung eines »sozialen Geschlechts«, das den Modeausdruck Gender verpasst bekam. Ein Mensch kann also als Mann geboren werden, sein Gender aber kann zum Beispiel Frau, Homosexueller oder Transsexueller sein.
Am Anfang dieser Ideologie stand die französische Schriftstellerin und Philosophin Simone de Beauvoir (1908-1986), die 2008 aus Anlass ihres einhundertsten Geburtstages ebenfalls gebührend gefeiert wurde. Als Intellektuelle und »emanzipierte« Frau soll sie ihren Geschlechtsgenossinnen den Weg aus der Unmündigkeit gezeigt haben. In ihrem Buch Das andere Geschlecht (1949) behauptete sie, man werde »nicht als Frau geboren, man wird es«. Um Mensch sein zu können, müsse Frau zum Mann werden, meinte Beauvoir. Damit gilt sie als eine der Erfinderinnen der Gender-Ideologie, wonach das Geschlecht (bis auf die biologischen Merkmale) nicht angeboren, sondern sozialisiert wird. Der feministischen Bewegung gilt Beauvoir als leuchtendes Vorbild.
Die Frage ist nur: Ist das auch berechtigt? Wohl kaum. Denn erstens ist die Vorstellung, das menschliche Verhalten habe überhaupt nichts mit der biologischen Ausstattung zu tun, abwegig und wird bereits durch die eigene Propaganda widerlegt. Zu behaupten, es gebe keine biologischen Grundlagen für menschliches (Rollen-) Verhalten, und andererseits das männliche Testosteron als eine Art biologisches Verhaltensgift anzuklagen, passt beim besten Willen nicht zusammen. In Wirklichkeit übersetzen (unter anderem) die Hormone die sexuelle Ausstattung eines Menschen in das dazugehörige Verhalten. Zweitens können auf eine solche Idee nur Kinderlose kommen. Die in Europa einflussreichsten »Emanzen« und Gender-Ideologen waren denn auch entweder kinderlos und unverheiratet wie Simone de Beauvoir und Alice Schwarzer oder zusätzlich homosexuell wie Judith Butler und Michel Foucault. Denn spätestens wenn man eigene Kinder aufzieht, werden solche Vorstellungen vom »sozialen Geschlecht« von der Realität in Frage gestellt. So spielen Jungen ohne jede äußere Beeinflussung in der Regel lieber mit Stöcken und Schwertern statt mit Puppen, Mädchen dagegen ziehen liebevoll ihre Barbiepuppen an — natürliche Vorlieben, die Kindern von der Gender-Propaganda madig gemacht werden sollen. Drittens taugt auch Beauvoir selbst kaum zur unvoreingenommenen Theoretikerin der Frauenbewegung. Mit ihrem Partner Jean-Paul Sartre führte sie ein Leben in Hotels, getrennten Wohnungen und ohne Kinder. Um Sartre nicht bei seinen Schäferstündchen mit anderen Frauen zu stören, musste sie ein eigenes Klingelsignal bedienen. Ihren ersten Orgasmus erlebte sie im zarten Alter von neununddreißig Jahren. Briefe an einen Geliebten unterschrieb sie ganz unemanzipiert mit »Ihnen Ihre gehörende Frau«.
Kurz: Beauvoir tat das, was in einer unbefriedigenden Situation viele tun. Sie schrieb sich eine Theorie auf den Leib und stilisierte ihre eigene Misere zur bewussten Entscheidung und zum nacheifernswerten »emanzipierten« Lebensmodell hoch. Ob dieses Modell tatsächlich der Traum und das leuchtende Beispiel für andere Frauen ist, darf jedoch bezweifelt werden. Kritiker entwarfen denn auch das Bild einer ihrem Körper entfremdeten Intellektuellen, die den weiblichen Körper abgelehnt, ja verachtet habe. Kinder habe sie genauso verdammt wie die Bindung an eine Familie. Kurz: Sie habe all das abgelehnt, was sie selbst nicht besaß.
So trivial können neue Philosophien und Weltanschauungen sein. Dennoch wurde ihre Ideologie weltweit übernommen, verbreitet und weiterentwickelt. Durch Einladungen von Regierungen aus aller Welt wurde Beauvoir zur globalen Propagandafigur in einer politisch offenbar erwünschten Angelegenheit: der Angleichung der Frau an den Mann und seinen Ersatz durch die Frau.
Im Jahr 1985 stellte die 3. Weltfrauenkonferenz der UN in Nairobi das Gender Mainstreaming als politische Strategie vor und erhob es so zur globalen Politik. »Gender Mainstreaming ist eine Art totalitärer Kommunismus in Sachen Sex und Geschlechterbeziehung«, schrieb die Journalistin Bettina Röhl. Gender Mainstreaming bedeutet, die biologischen Geschlechter in einen einzigen »Mainstream« von gleichartigen Wesen zu überführen, die dann eben dieses oder jenes praktizieren. Jedenfalls nichts, woraus noch in nennenswertem Maße natürlicher Nachwuchs hervorgehen könnte. Denn wenn die biologischen Geschlechter statt Sex untereinander immer mehr Sex mit ihresgleichen haben, ist eine unfruchtbare Gesellschaft die natürliche Folge. Und Geburtenkontrolle könnte denn auch der eigentliche und tiefere Sinn dieser »politischen Geschlechtsumwandlung« (faz.net) sein. Nicht zufällig verkaufte die deutsche Feministin Schwarzer 1971 eine großangelegte Abtreibungskampagne als Maßnahme zur Befreiung der Frau.
1995 forderte die 4. UN-Weltfrauenkonferenz in Peking in einer sogenannten Aktionsplattform die Durchsetzung der Perspektive des sozialen Geschlechts in allen politischen Maßnahmen und Programmen. Spätestens seit diesem Zeitpunkt sickert die Frankenstein-Ideologie weltweit verstärkt in die Politik durch (Gender Mainstreaming). Inzwischen verfügt das Gender Mainstreaming über eine beachtliche Infrastruktur. In Schule, Ausbildung und Beruf werden Mädchen derart bevorzugt, dass man heute bereits von »männlichen Bildungsverlierern« spricht (siehe auch Jahresrückblick 2007). Mädchen werden mit männlichen Verhaltensmustern konfrontiert und an sie gewöhnt, Jungen an weibliche Muster (Häkeln, Stricken).
Schon äußerlich beobachtet man seit Jahrzehnten eine gespenstische Geschlechtsumwandlung, und zwar ganz ohne Skalpell. Die Mode veränderte sich ebenso wie der Körper, vor allem der weibliche. Frauen bekamen kurze Haare, Hosen und flache Schuhe verpasst und sind heute anhand von Kleidung oder Haartracht oft kaum noch von Männern zu unterscheiden. Durch den Diätenwahn und die Fitnessrevolution wurde der Baustoff des weiblichen Körpers, nämlich Fett, zunehmend durch den Baustoff des männlichen Körpers, nämlich Muskelmasse, ersetzt. Die Propaganda, die darauf abzielt, diese »geschlechtsumgewandelten Frauen« in Männerberufe zu drücken, tut ein Übriges.
Statt Sex zwischen den Geschlechtern wird zunehmend der Sex mit dem eigenen Geschlecht propagiert. Eine Weltstadt zeichnet sich heute dadurch aus, dass ihr Oberbürgermeister schwul ist: »Berlin hat einen, Paris auch, und London vielleicht bald«, schrieb das Schwulenportal gay.ch. Einen schwulen Oberbürgermeister nämlich: »Wie schön wäre es da, wenn das immer etwas als provinziell verschriene München mit diesen Weltmetropolen gleichziehen könnte.«
Die Auflösung der Familie
Das Dumme ist nur, dass Rollen und Grenzen zwischen Geschlechtern und Generationen die wichtigste Keimzelle der Gesellschaft konstituieren: die Familie. Ohne »Vater, Mutter, Kind« keine Familie. Diese Rollen und Grenzen aufzulösen heißt also die Familie aufzulösen. Und das Problem ist, dass sich in Deutsch-
land ausgerechnet das »Familienministerium« an die Spitze der Gender-Bewegung gestellt hat, in dem es zum Beispiel eine eigene Website mit der Adresse gender-mainstreaming.net eingerichtet hat. Ja, nicht nur das: An der Berliner Humboldt-Universität hat das Bundesfamilienministerium sogar ein sogenanntes GenderKompetenzZentrum gegründet und befördert so an vorderster Front die Auflösung der Familie. Gemeinsam mit den Ministerien der Länder, die beispielsweise über die Schulpolitik bestimmen.
Während man vorgibt, zum Wohl der Familie zu arbeiten, arbeitet man in Wirklichkeit an deren Auflösung. Ohne die Auflösung der Familie kann die Gender-Strategie nicht funktionieren. Und ohne Beseitigung des Mannes kann die Auflösung der Familie nicht funktionieren — weshalb sich langsam selbst Frauen erhebliche Sorgen um den Mann machen: »Wer zu Ende denkt, was das Frauenministerium gendernd und quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit bereits in die Tat umsetzt, muss feststellen, dass schon jetzt ein erheblicher Wertunterschied zwischen Jungen und Mädchen gemacht wird. Nur schwach kann GM verbergen, dass hier eine Art pseudowissenschaftlicher >Rassismus< und letztlich auch Sexismus zwischen den Geschlechtern initiiert wird, an dessen Ende eine männerlose Welt stehen könnte«, warnt die Journalistin Bettina Röhl. Inzwischen ist aus der Gleichberechtigung ein Vorwand geworden, gegen die Menschenrechte zu verstoßen, und zwar jene von Männern und Kindern. Organisationen wie der Berliner Verein »Dissens« geben vor, Jungenarbeit zu betreiben, praktizieren in Wirklichkeit aber Anti-Jungenarbeit, bei der sie den Jungs nicht nur Männerberufe, sondern sogar ihr eigenes Geschlecht ausreden wollen. Bei einer Veranstaltung des Vereins wurde einem Jungen weisgemacht, »dass er eine Scheide habe und nur so tue, als sei er ein Junge«. Das Ziel der Jungenarbeit sei »nicht der andere Junge, sondern gar kein Junge« (Familienföderation e. V.: Erziehung zum neuen Menschen). Das heißt: Nach der physischen Beschneidung für Frauen erfand das Gender Mainstreaming die psychische Beschneidung von Männern. Jugendgewalt ist für den Verein schlicht »Jungengewalt«, in einer eigenen Datenbank bietet Dissens »betriebliche Praktikumsplätze für Jungs« an. Die Bewerber können zwischen Kita und Pflegeeinrichtung wählen. In der Geschäftsführung des Vereins sitzt eine Frau, gefördert wird er vom Bundesfamilienministerium.
Nur ganz wenige Medien und Politiker trauen sich, diese unheimliche Entwicklung überhaupt zur Kenntnis zu nehmen, schrieb faz-net: Unionspolitiker deuteten die neuesten Entwicklungen in Sachen »Gleichstellung« und »Gleichbehandlung« »als unerklärliche und letztlich anonyme Strömung des Zeitgeistes«. »Abgeordnete mit einem herkömmlichen Familienbild (Vater, Mutter und Kinder bilden die Familie) fragen sich fast verzweifelt, woher das alles kommt und warum es, obwohl kaum jemand dafür zu sein scheint, gleichsam unwiderstehlich über die Politik hereinbricht.«
Eine gute Frage. Das Ziel greift jedenfalls »hoch hinaus«, so faz. net: »Es will nicht weniger als den neuen Menschen schaffen, und zwar durch die Zerstörung der >traditionellen Geschlechtsrollen<. (...) Und möglichst schon in der Krippenerziehung soll mit der geistigen Geschlechtsumwandlung begonnen werden.«
Weg mit der Familie
Dass man mit solchen gegenderten Existenzen und ihren »gehorteten« Kindern keinen Staat bzw. keine Familie machen kann, liegt auf der Hand. Die Familie soll nicht etwa von Staats wegen umhegt und gepflegt werden, wie entsprechende Ministerien suggerieren. In Wirklichkeit steht der Staat in einem Konkurrenzverhältnis zur Familie. Die Familie ist die stärkste Stütze einer Gesellschaft. Ist die Familie weg, wirst du merken, dass der Staat nicht dein Freund ist. »Entfamilisierte« Massen lassen sich weit besser steuern, verschieben und ausbeuten als »familiäre« Massen. Entfamilisierten Individuen mangelt es an einer entscheidenden Schutzhülle, so dass sie dem Staat wehrlos ausgeliefert sind. Damit wird eine weitere Kräfteverschiebung zwischen den Massen und den staatlichen Organisationen verwirklicht. Denn während sie Wasser predigen, konsumieren die an der Spitze oder hinter den Staaten stehenden Eliten selbst natürlich Wein, sprich: Familie. Gerade weil sie wissen, dass die Familie die zentrale Bedingung für Sicherheit, Erfolg, Wohlstand und letztlich Macht darstellt, versuchen sie, den globalen Massen die Familie, die sich aus unterschiedlichen Geschlechtern und Rollen konstituiert, abzugewöhnen. Wer Rollen und Geschlechter auflöst, meint nicht Rollen und Geschlechter, sondern letztlich die Familie. Die globalen Eliten dagegen denken nicht nur familiär, sondern sogar dynastisch (vom griechischen dynastes=Herrscher). Die globalen Eliten bauten ihre Familien zum Teil seit Jahrhunderten strategisch auf und sorgten immer wieder auch durch eine ausgeklügelte Heiratspolitik dafür, dass die Familie auch in Zukunft weitgehend unter sich blieb. Die erfolgreichsten Unternehmen sind oder waren Familienunternehmen: Rockefeller und Rothschild genauso wie BMW, Siemens, Otto, Quelle, Metro, Bertelsmann und wie sie alle heißen. Die Entfamilisierung der Massen wird dagegen als notwendige Voraussetzung der Globalisierung gesehen. Nur wer die Familie abschafft, bekommt am Ende einen identitäts- und wehrlosen Brei von gleichförmigen, ausbeutbaren Wesen. Umgekehrt kann sich die Gesellschaft nur mit der Familie gegen ihre Versklavung in der Globalisierung wehren.
Alles andere ist Propaganda.