Quo vadis, Europa? - ton evangelisation

Direkt zum Seiteninhalt

Quo vadis, Europa?

TEXTE

Neuerdings haben sogar schon Babys und Kleinkinder manchmal einen vollen Terminkalender: In einigen Großstädten werden doch tatsächlich Englisch- und Chinesischkurse sowie zur Entspannung zwischendurch Yogaübungen für Null- bis Dreijährige angeboten. (Andererseits können oft Schulkinder einen Laub- von einem Nadelbaum nicht unterscheiden, aber das ist eine andere Sache.) Im Übrigen reicht es vollkommen, wenn unser Nachwuchs zweisprachig aufwächst: mit der traditionellen, kulturell wertvollen Mundart und der Schriftsprache!   

Ernst nehmen sollten wir allerdings den, mit den Argumenten der „professionellen“ Betreuung, der angeblich so wichtigen „frühkindlichen Bildung“, sowie zur Erlangung „sozialer Kompetenz“, geplanten massiven Ausbau der Kinderkrippen für Null bis Dreijährige, damit Mama und Papa so rasch als möglich wieder in den Beruf einsteigen können: entwicklungspsychologisch ein Wahnsinn, der viel Unglück über das Kind, seine Eltern und unsere ganze Gesellschaft bringt!

Ein Säugling empfindet sich ja auch außerhalb des Mutterleibs als Einheit mit seiner Mutter, war doch sein Überleben von Anbeginn der Menschheit von der Mutterbrust abhängig. Die Bindung zwischen Mutter und Baby ist innig und Körperkontakt und Ansprache mindestens gleich wichtig für das gute Gedeihen des Babys wie Nahrung und Pflege. Unsere Kinder sind nun einmal Nesthocker: Sie brauchen die Sicherheit und Geborgenheit in der Familie, um sich körperlich und seelisch gesund und glücklich entwickeln zu können.

Und wer sollte denn sein Kind liebevoller, individueller und besser betreuen können als die eigene Mutter/Eltern? Wie sollten wechselnde Betreuerinnen, die doch jede mindestens 6 Babys/Kleinkinder im Hort zu betreuen haben, dies besser können als eine Mutter, die ihr Kleines bei Sonnenschein am Vormittag spazieren fährt, weil am Nachmittag Regen angesagt ist, die ihr Baby in seinen Wachphasen herzt und kost, für die die ersten Schrittchen, das erste Wort ein wunderbares Erlebnis sind, die geduldig und gelassen abwartend zusieht, wie sich ihr Kleines mit seinem Hoserl abmüht, und die vor Stolz platzt, wenn es nach einigem Hin- und Hergezerre  – freudestrahlend  - richtig drin steckt?

Und wie soll man sich im Hort die frühkindliche Bildung so kleiner Kinder, die sich doch im Tempo so unterschiedlich entwickeln, vorstellen? Was soll da eine Mutter, ein Vater nicht können?
Und man fragt sich, wie Europa jahrhunderte-, ja jahrtausendelang die großartigsten und fähigsten Denker, Wissenschaftler, Forscher, Erfinder, Künstler etc. hervorbringen konnte, und das ganz ohne professionelle frühkindliche Bildung!

Um schließlich soziale Kompetenz zu entwickeln, brauchen Kinder die Geborgenheit in der Familie und das gute Vorbild ihrer Eltern. Eltern, die miteinander liebevoll, rücksichtsvoll, höflich, ehrlich etc. umgehen, werden ebensolche Kinder haben! Wie soll ein Kind diese Grundvoraussetzungen für soziale Kompetenz in einer Kindergesellschaft im Hort lernen?
Außerdem ist ein Kind bekanntermaßen erst nach dem Abklingen der Trotzphase, mit ca 3 Jahren, reif, sich in eine Gruppe einzuordnen. (Aus gutem Grund war ja der Kindergartenbesuch seit eh und je erst ab 3 Jahren vorgesehen und möglich, und auch nur halbtags, weil die kleinen Kinder die Geborgenheit in der Familie noch ganz stark brauchen. Volksschulkinder übrigens auch!)

Die familiäre Erziehung ist jeder anderen Art von Betreuung bei weitem vorzuziehen! Erziehungsratschläge wären heute für viele verunsicherte Eltern allerdings wertvoll, und entsprechende Kurse sollten in der Schwangerschaft parallel zu den Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen angeboten werden.

Unser Europa ist ein Kontinent der leistungsorientierten Konsumgesellschaft,
der immer weiter auseinander klaffenden sozialen Schere, des immer schwächer werdenden sozialen Zusammenhalts, der Parallelgesellschaften, der leeren Kirchen, der einsamen Alten und der abgeschobenen Kinder geworden.
Europas Problem ist nicht mangelnde Bildung, sondern mangelnde Herzensbildung, denn die lernt man nur in der Familie und gewiss nicht in Horten, die leider in fast allen Ländern Europas an die Stelle der familiären Betreuung getreten sind. Die Folge der in Teilen Europas schon jahrzehnte- langen Mutter- und Elternlosigkeit der Kinder ist, unter vielen anderen negativen Konsequenzen, eine Zunahme der Gewalt an Schulen und im öffentlichen Raum. Und: Überwachungskameras überall!
Eine Kindheit in familiärer Geborgenheit und auch Freiheit, wie wir sie hatten, und unsere Kinder bringen bei Schulantritt alle Kompetenzen mit, die sie für eine erfolgreiche Teilnahme am Schulunterricht brauchen. Und Sozialarbeiter, Schulpsychologen, etc., deren Einsatz in Skandinavien selbstverständlich ist und an unseren Schulen massiv gefordert wird, würden nicht mehr gebraucht …

Die so glückbringende, wichtige und wertvolle familiäre Kinderbetreuung - zur Gänze der ganz kleinen Kinder und halbtags der etwas größeren - muss es uns wert sein, Mama oder Papa (oder Großeltern?) ganz oder teilweise vom Beruf freizustellen. Zur Vermeidung von Armut und/oder Diskriminierung muss der betreuende Elternteil entlohnt und die Arbeit in der Familie zur Gänze auf die Pension angerechnet werden! Im Übrigen kostet keine Form der Betreuung den Steuerzahler, also uns, auch nur annähernd so viel wie die öffentliche Betreuung in der Kinderkrippe: pro Kind und Monat gut 1500 €, oft noch wesentlich mehr!
Auch das Tagesmuttersystem ist um ein Vielfaches billiger - und besser!

Politische Programme von heute sind gesellschaftliche Realität von morgen!
Und: Politiker können nur so gut sein wie das Volk, aus dem sie stammen!
Liebe Frauen, liebe Eltern: Fordern wir unser Recht auf Selbstbestimmung, auf unseren Beruf und die segensreiche familiäre Betreuung unserer Kinder ein!
Denn: Wer Lieblosigkeit sät, wird Lieblosigkeit ernten!

Brigitte Pfandl                                                              Katsch/Mur, am 24.1.2011

Zurück zum Seiteninhalt